Wie Pferde Stärke verdauen

Wie Pferde Stärke verdauen

Pferde verdauen laut Studien Stärke hauptsächlich im Dünndarm. Dort wird sie durch Enzyme wie die pankreatische Amylase in kleinere Bestandteile zerlegt und anschließend als Glukose aufgenommen (Meyer & Coenen, 2014; Kienzle, 1994). Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist es wünschenswert, dass der Großteil der aufgenommenen Stärke bereits im Dünndarm verdaut wird, da Pferde nur eine begrenzte Kapazität zur Stärkeverdauung besitzen (Kienzle, 1994).

Wird mehr Stärke aufgenommen, als im Dünndarm enzymatisch verarbeitet werden kann, gelangt ein Teil davon in den Dickdarm. Dort wird sie von Mikroorganismen fermentiert, wobei flüchtige Fettsäuren und Milchsäure entstehen. Dies kann den pH-Wert im Darm senken und die Zusammensetzung der Darmflora verändern (Julliand et al., 2006; Medina et al., 2002).

Hafer ist vergleichsweise gut verdaulich

Hafer zählt traditionell zu den am häufigsten eingesetzten Getreiden in der Pferdefütterung (Meyer & Coenen, 2014). Im Vergleich zu Mais oder Gerste weist Hafer eine höhere präzäkale Stärkeverdaulichkeit auf, was unter anderem auf die Struktur des Korns und die physikalischen Eigenschaften seiner Stärkekörner zurückgeführt wird (Kienzle, 1994; Vervuert & Coenen, 2004).

Die Studie von Jensen et al. (2010) zeigt, dass die Gesamtverdaulichkeit von Kohlenhydraten bei Pferden stark von der Rationszusammensetzung abhängt. Bei getreidehaltigen Rationen mit Schwarzhafer wurde ein großer Teil der Kohlenhydrate effizient verdaut. Dennoch unterscheiden sich Pferde individuell in ihrer Verdauungsleistung, sodass Faktoren wie Fütterungsmenge, Trainingszustand und Gesundheitsstatus berücksichtigt werden sollten (Meyer & Coenen, 2014).

Wenn zu viel Stärke in den Dickdarm gelangt

Mit steigender Stärkeaufnahme pro Mahlzeit erhöht sich das Risiko, dass unverdaute Stärke in den Dickdarm gelangt (Kienzle, 1994). Dort kann eine verstärkte mikrobielle Fermentation stattfinden, die mit einer Abnahme des pH-Wertes und Veränderungen der mikrobiellen Population einhergeht (Medina et al., 2002; Julliand et al., 2006).

Solche Veränderungen werden als mögliche Risikofaktoren für Verdauungsstörungen, Koliken und Hufrehe diskutiert (Bailey et al., 2004; Julliand et al., 2006). Besonders stoffwechselempfindliche Pferde können auf hohe Stärkemengen sensibler reagieren als gesunde Tiere (Harris et al., 2017).

Was bedeutet das für die Praxis?

Hafer kann aufgrund seiner vergleichsweise hohen präzäkalen Stärkeverdaulichkeit eine geeignete Energiequelle für viele Pferde darstellen (Kienzle, 1994; Vervuert & Coenen, 2004). Dennoch sollte die Menge stets an den individuellen Bedarf angepasst werden.

Fütterungsempfehlungen sehen vor, größere Kraftfuttermengen auf mehrere Mahlzeiten zu verteilen, um die Stärkebelastung des Dünndarms zu begrenzen und das Risiko einer vermehrten Dickdarmfermentation zu reduzieren (Meyer & Coenen, 2014). Die Grundlage jeder Pferderation sollte zudem eine ausreichende Versorgung mit hochwertigem Raufutter sein (Harris et al., 2017).

 

Literaturverzeichnis

Bailey, S. R., Marr, C. M., & Elliott, J. (2004). Current research and theories on the pathogenesis of acute laminitis in the horse. The Veterinary Journal, 167(2), 129–142. https://doi.org/10.1016/S1090-0233(03)00081-3

Harris, P. A., Ellis, A. D., Fradinho, M. J., Jansson, A., Julliand, V., Luthersson, N., Santos, A. S., & Vervuert, I. (2017). Review: Feeding conserved forage to horses: Recent advances and recommendations. Animal, 11(6), 958–967. https://doi.org/10.1017/S1751731116002469

Jensen, R. B., Brokner, C., Knudsen, K. E. B., & Tauson, A.-H. (2010). A comparative study of the apparent total tract digestibility of carbohydrates in Icelandic and Danish warmblood horses fed two different haylages and a concentrate consisting of sugar beet pulp and black oats. Archives of Animal Nutrition, 64(5), 343–356. https://doi.org/10.1080/1745039X.2010.504606

Julliand, V., de Fombelle, A., & Drogoul, C. (2006). Feeding and microbial disorders in horses: Part 3—Effects of three hay ratios on microbial profile and activities. Journal of Equine Veterinary Science, 26(3), 83–91. https://doi.org/10.1016/j.jevs.2006.01.018

Kienzle, E. (1994). Small intestinal digestion of starch in the horse. Revue de Médecine Vétérinaire, 145(2), 199–204.

Medina, B., Girard, I. D., Jacotot, E., & Julliand, V. (2002). Effect of a preparation of Saccharomyces cerevisiae on microbial profiles and fermentation patterns in the large intestine of horses fed a high starch diet. Journal of Animal Science, 80(10), 2600–2609. https://doi.org/10.2527/2002.80102600x

Meyer, H., & Coenen, M. (2014). Pferdefütterung (5. Aufl.). Parey Verlag.

Vervuert, I., & Coenen, M. (2004). Effects of processing of barley and maize on precaecal digestibility of starch in horses. Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition, 88(7–8), 255–261. https://doi.org/10.1111/j.1439-0396.2004.00481.x

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