Faserlänge und Partikelgröße in der Pferdefütterung – Bedeutung für Verdauung und Darmgesundheit

Faserlänge und Partikelgröße in der Pferdefütterung – Bedeutung für Verdauung und Darmgesundheit

Raufutter bildet die Grundlage einer pferdegerechten Ernährung. Neben der Menge und Qualität des Futters spielt auch die physikalische Struktur der Fasern eine wichtige Rolle für die Verdauung. Insbesondere Faserlänge und Partikelgröße beeinflussen die Kautätigkeit, die Speichelproduktion, die Passagegeschwindigkeit des Futters sowie die mikrobielle Fermentation im Dickdarm (Meyer & Coenen, 2014; National Research Council [NRC], 2007).

Die Partikelgröße eines Futters wird unter anderem durch die Pflanzenart, den Reifegrad bei der Ernte sowie die Verarbeitung des Futtermittels bestimmt. Dadurch unterscheiden sich beispielsweise langstängeliges Heu, gehäckselte Futtermittel (Chaff), Heucobs und Pellets deutlich hinsichtlich ihrer physikalischen Eigenschaften (Müller, 2012; Meyer & Coenen, 2014).

Zerkleinerung der Fasern beim Kauen

Pferde sind auf eine intensive mechanische Zerkleinerung des Futters angewiesen. Während des Kauvorgangs werden die Pflanzenfasern durch die Mahlbewegungen der Backenzähne schrittweise verkleinert. Gleichzeitig wird Speichel gebildet, der zur Befeuchtung des Futters und zur Pufferung des Mageninhalts beiträgt (Meyer & Coenen, 2014; Ellis et al., 2005).

Längere Fasern erfordern in der Regel mehr Kaubewegungen als stark zerkleinerte Futtermittel. Dadurch steigt die Kauzeit pro Kilogramm Futter und die Speichelproduktion kann erhöht werden (NRC, 2007; Meyer & Coenen, 2014).

Partikelgröße und Verdauung

Die Größe der Futterpartikel beeinflusst, wie schnell pflanzliche Zellstrukturen für die mikrobielle Fermentation zugänglich werden. Kleinere Partikel besitzen eine größere relative Oberfläche, wodurch Mikroorganismen leichter auf die Faserbestandteile zugreifen können (Julliand et al., 2006).

Untersuchungen zur Verdauung verschiedener Raufutterqualitäten zeigen, dass Unterschiede in Pflanzenreife und Faserstruktur die Verdaulichkeit beeinflussen können. Müller (2012) berichtete bei früh geernteter Heulage eine höhere Trockenmasseverdaulichkeit sowie einen größeren Anteil kleiner Partikel im Kot im Vergleich zu später geerntetem Futter. Dies deutet auf Unterschiede in der Zerkleinerung und im mikrobiellen Abbau der Fasern hin.

Auch die Zusammensetzung des Raufutters beeinflusst die Verteilung der Kotpartikelgrößen. Untersuchungen zeigen, dass unterschiedlich strukturierte Futtermittel zu verschiedenen Partikelgrößenprofilen im Kot führen können, was Rückschlüsse auf Verdauungsprozesse und Passageverhalten ermöglicht (Martuzzi, 2024).

Passagegeschwindigkeit und Fermentation

Die Passagegeschwindigkeit des Futters durch den Verdauungstrakt wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst, darunter Fasergehalt, Partikelgröße und Verdaulichkeit des Futters (Drogoul et al., 2001; Julliand et al., 2006).

Kleinere Partikel können den Verdauungstrakt unter bestimmten Bedingungen schneller passieren als größere Faserbestandteile. Gleichzeitig beeinflusst die Partikelgröße die Bedingungen für die mikrobielle Fermentation im Blind- und Grimmdarm, wo ein Großteil der Faserverdauung des Pferdes stattfindet (Julliand et al., 2006).

Größere Faserpartikel verbleiben häufig länger im Verdauungssystem und können dadurch die Fermentationsdynamik verändern. Die tatsächlichen Auswirkungen hängen jedoch von zahlreichen weiteren Faktoren ab, darunter Futteraufnahme, Wasseraufnahme und Zusammensetzung der Gesamtration (Drogoul et al., 2001).

Kot-Partikelgröße als Indikator

Die Analyse der Kot-Partikelgröße wird in der Forschung genutzt, um Rückschlüsse auf die mechanische Zerkleinerung des Futters und die Faserverdauung zu ziehen. Größere Kotpartikel können auf eine geringere Zerkleinerung während des Kauens oder auf Unterschiede im mikrobiellen Faserabbau hinweisen (Ellis et al., 2005; Martuzzi, 2024).

Da die Kotpartikelgröße sowohl von der Futterstruktur als auch von individuellen Faktoren wie Zahnstatus, Fressverhalten und Verdauungsleistung beeinflusst wird, sollte sie jedoch nicht isoliert bewertet werden.

Bedeutung für verschiedene Futterformen

Die Diskussion um Faserlänge und Partikelgröße ist insbesondere bei unterschiedlichen Formen von Raufutter relevant. Langstängeliges Heu, gehäckselte Futtermittel, Heucobs und Pellets unterscheiden sich deutlich hinsichtlich ihrer Strukturwirkung (Meyer & Coenen, 2014).

Längere Fasern fördern in der Regel eine längere Beschäftigungsdauer und mehr Kaubewegungen. Stärker zerkleinerte Futtermittel können dagegen Vorteile bei Pferden mit Zahnproblemen oder eingeschränkter Kauleistung bieten. Die Auswahl der geeigneten Futterform sollte daher stets unter Berücksichtigung des individuellen Pferdes erfolgen (NRC, 2007; Meyer & Coenen, 2014).

Fazit

Die wissenschaftliche Literatur zeigt, dass Faserlänge und Partikelgröße wichtige Einflussgrößen der Pferdeverdauung darstellen. Sie beeinflussen die Kautätigkeit, die Speichelproduktion, die Passagegeschwindigkeit sowie die mikrobielle Fermentation im Dickdarm (Meyer & Coenen, 2014; Julliand et al., 2006).

Studien deuten darauf hin, dass Unterschiede in Pflanzenreife, Faserstruktur und Futtermittelverarbeitung die Verdaulichkeit und die Verteilung der Kotpartikelgrößen beeinflussen können (Müller, 2012; Martuzzi, 2024). Die Wahl zwischen langen Fasern, Chaff, Heucobs oder Pellets sollte daher nicht allein nach Nährstoffgehalten erfolgen, sondern auch die strukturellen Eigenschaften des Futters berücksichtigen.

Literaturverzeichnis

Drogoul, C., Poncet, C., & Tisserand, J. L. (2001). Feeding ground and pelleted hay rather than chopped hay to ponies. Consequences for fibre degradation and mean retention time. Animal Feed Science and Technology, 90(1–2), 109–120.

Ellis, A. D., Longland, A. C., Coenen, M., & Miraglia, N. (2005). European perspectives on equine digestive physiology and nutrition. Equine Veterinary Journal Supplement, 34, 12–19.

Julliand, V., de Fombelle, A., & Drogoul, C. (2006). Feeding and microbial disorders in horses: Part 3. Effects of three hay ratios on microbial profile and activities. Journal of Equine Veterinary Science, 26(2), 89–96.

Martuzzi, F. (2024). Faecal particle size distribution in relation to forage type and digestibility in horses.

Meyer, H., & Coenen, M. (2014). Pferdefütterung (5. Aufl.). Schlütersche.

Müller, C. E. (2012). Equine digestion of diets based on haylage harvested at different plant maturities.

National Research Council. (2007). Nutrient Requirements of Horses (6th rev. ed.). National Academies Press.

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Kondensierte Tannine in Esparsette – Aktueller Forschungsstand zur Pferdefütterung

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