Luzerne (Medicago sativa) gehört zu den Leguminosen und wird in der Pferdefütterung häufig als proteinreiches Raufuttermittel eingesetzt. Aufgrund ihres vergleichsweise hohen Gehalts an Rohprotein und essenziellen Aminosäuren unterscheidet sie sich deutlich von vielen Gräsern und grassbasierten Futtermitteln (National Research Council [NRC], 2007; Van Soest, 1994).
Proteinverdauung beim Pferd
Die Proteinverdauung erfolgt beim Pferd überwiegend im Dünndarm. Dort werden Proteine enzymatisch in Peptide und Aminosäuren zerlegt und anschließend absorbiert. Nicht absorbierte Proteinbestandteile gelangen in den Dickdarm, wo sie von der dortigen Mikroflora fermentiert werden können (Coenen & Vervuert, 2011).
Die Versorgung des Pferdes mit Protein sollte nicht ausschließlich anhand des Rohproteingehalts eines Futtermittels beurteilt werden. Von Bedeutung ist insbesondere die Menge an verdaulichem Protein sowie die Verfügbarkeit essenzieller Aminosäuren (NRC, 2007).
Rohprotein- und Aminosäuregehalt von Luzerne
Luzerne weist im Vergleich zu vielen Gräsern höhere Rohproteingehalte auf. Je nach Erntezeitpunkt, Standort und Konservierungsverfahren werden Rohproteingehalte von etwa 15 bis über 20 % der Trockenmasse beschrieben (Van Soest, 1994; NRC, 2007).
Darüber hinaus enthält Luzerne relevante Mengen essenzieller Aminosäuren, darunter Lysin. Da Lysin bei Pferden häufig als erstlimitierende Aminosäure betrachtet wird, kann der Aminosäuregehalt eines Futtermittels für die Bewertung der Proteinqualität von Bedeutung sein (NRC, 2007).
Verdaulichkeit von Luzerneprotein
Untersuchungen zur Proteinverwertung verschiedener Raufuttermittel zeigen, dass Luzerne eine hohe Proteinverdaulichkeit aufweist. Ragnarsson und Lindberg (2008) verglichen die Nährstoffverwertung von Luzerne und grassbasierten Futtermitteln bei Pferden und berichteten höhere Werte für die Verfügbarkeit von Rohprotein bei Luzerne.
Auch Hoffman et al. (2001) beschrieben für Luzerne höhere Gehalte an verdaulichem Rohprotein im Vergleich zu vielen Grasfuttermitteln. Die Autoren stellten zudem Unterschiede in den Faserfraktionen fest, die Einfluss auf die Verdauungsvorgänge im Magen-Darm-Trakt haben können.
Die verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass Luzerne einen größeren Anteil ihres Proteins bereits im Dünndarm zur Verfügung stellen kann als viele grasbasierte Futtermittel (Hoffman et al., 2001; Ragnarsson & Lindberg, 2008).
Proteinversorgung und Stickstoffausscheidung
Wird mehr Protein aufgenommen, als für Stoffwechselprozesse, Wachstum, Leistung oder Gewebeerneuerung benötigt wird, wird der überschüssige Stickstoff im Organismus überwiegend zu Harnstoff umgewandelt und ausgeschieden (Coenen & Vervuert, 2011; NRC, 2007).
Da Luzerne vergleichsweise hohe Rohproteingehalte aufweisen kann, hängt ihr Beitrag zur Stickstoffaufnahme wesentlich von der eingesetzten Menge innerhalb der Gesamtration ab. Die Proteinversorgung sollte daher stets im Zusammenhang mit dem individuellen Bedarf des Pferdes betrachtet werden (NRC, 2007).
Luzerne als Bestandteil der Gesamtration
Die aktuelle Fachliteratur beschreibt Luzerne als eine hochverdauliche Proteinquelle für Pferde (NRC, 2007; Ragnarsson & Lindberg, 2008). Aufgrund ihres Protein- und Aminosäuregehalts kann sie zur Ergänzung proteinärmerer Futtermittel eingesetzt werden.
Die Bewertung von Luzerne sollte jedoch stets im Kontext der gesamten Ration erfolgen. Faktoren wie Alter, Körpergewicht, Leistungsniveau, Wachstumsphase oder Trächtigkeit beeinflussen den Proteinbedarf eines Pferdes erheblich (NRC, 2007).
Fazit
Die wissenschaftliche Literatur beschreibt Luzerne als ein proteinreiches Futtermittel mit hoher Proteinverdaulichkeit und relevanten Gehalten essenzieller Aminosäuren. Studien zeigen eine höhere Verfügbarkeit von Rohprotein im Vergleich zu vielen grasbasierten Futtermitteln (Hoffman et al., 2001; Ragnarsson & Lindberg, 2008). Gleichzeitig weist die Fachliteratur darauf hin, dass die Proteinversorgung stets bedarfsgerecht erfolgen sollte, da überschüssiger Stickstoff über den Harnstoffstoffwechsel ausgeschieden wird (Coenen & Vervuert, 2011; NRC, 2007).
Literaturverzeichnis
Coenen, M., & Vervuert, I. (2011). Pferdefütterung: Grundlagen der Fütterung und Futtermittelkunde. Enke Verlag.
Hoffman, R. M., Linton, R. A., Morrill, J. L., & Zhang, Y. (2001). Protein utilization and fiber characteristics of alfalfa hay in equine diets. Journal of Equine Veterinary Science, 21(9), 407–412.
National Research Council. (2007). Nutrient requirements of horses (6th rev. ed.). National Academies Press. https://doi.org/10.17226/11653
Ragnarsson, S., & Lindberg, J. E. (2008). Nutritional value of timothy haylage and alfalfa for horses: Digestibility and protein utilization. Journal of Animal Science, 86(12), 3450–3457. https://doi.org/10.2527/jas.2007-0740
Van Soest, P. J. (1994). Nutritional ecology of the ruminant (2nd ed.). Cornell University Press.